
Das gibt es nur einmal im Leben: Ein abendliches Sonnenfinsternis-Segeln am Kriegersee. Am 12. August 2026 um 20:15 sollte in Baden die Bedeckung der Sonne durch den Mond ihr Maximum von etwa 90% erreichen und die Umgebung in ein schummriges Halblicht tauchen.
Unsere Abschätzungen hatten ergeben, dass uns der im Westen unseres Sees verlaufende Rheindamm nur ein halbes Grad an Horizonthöhe kosten würde und somit die Sonne bei uns 2 Minuten früher verschwinden würde als bei einem Sonnenuntergang über dem Meer: Wahrhaft verschmerzbar.
So trommelten wir unsere Segler zusammen, und trotz Sommerferienzeit und Werktagsabend lagen gegen halb acht sechs Boote im Wasser, befraut und bemannt mit unseren Mitgliedern und ein paar Gästen. Weitere verfolgten das Geschehen vom Steg aus.
Die Sofi-Schutzbrillen hatten kurzfristig noch für etwas Aufregung gesorgt: Manche Leute (einschließlich des Autors dieser Zeilen) hatten es versäumt, sich rechtzeitig darum zu kümmern, und am Vortag des Ereignisses hingen an den Eingangstüren aller Bühler Optikergeschäfte hässliche Zettel mit dem Hinweis, dass die Schutzbrillen ausverkauft waren. Aber einige von uns hatten noch Bestände von 1999 zutage gefördert, und Elisabeth war dankenswerterweise in die Vorlage gegangen und hatte mit Eillieferung über das Internet noch ein paar Exemplare über den eigenen Bedarf bestellt, die sie den Schlafmützen überlassen konnte.
Auch Petrus ließ sich nicht lumpen und beglückte uns mit den besten Wetterverhältnissen, die man sich nur hätte wünschen können: Wolkenlos, und eine schöne Segelbrise bis in den späten Abend hinein.
Ich hatte die Kamera mit dem Zoom-Objektiv mitgebracht, diejenige, die nicht nass werden darf, und deshalb hatten wir die Aquila aufgerüstet, das Kielboot, das nicht kentert. Bei der nachträglichen Bearbeitung der Fotos am Rechner hat sich später leider herausgestellt, dass die Sonne auch bei ihrer maximalen Bedeckung den Kamerasensor derart übersättigt hatte, dass die Bedeckung der Sonne auf den Fotos nicht sichtbar wurde. Was dagegen schön herauskam, war das unwirkliche Schummerlicht, in das alles getaucht war.
Mit den Schutzbrillen konnten wir von Anfang an sehen, wie der Mond sich von rechts her, leicht von unterhalb der Mittellinie, vor die Sonne schob, ganz scharf abgegrenzt und alle 5 Minuten ein bisschen mehr.
Zunächst erschien die Sonne noch lange so hell wie eh und je, obwohl die Finsternis astronomisch schon im vollen Gange war, doch langsam legte sich eine Dämmerung über den See, Segel zeichneten sich scharf gegen die schwarzen Bäume ab und bekamen Ränder aus Abendrot. Skipper hielten ihre Boote nur mit Mühe unter Kontrolle, eine Hand an der Pinne, in einer Hand die Großschot führend, und mit der dritten Hand die Sofi-Brille oder das Smartphone jonglierend, mit einem Auge auf die nahebei fahrenden Boote und mit dem anderen Auge in die Sonne blickend, mit der einen Gehirnhälfte den Kurs haltend und mit der anderen das Naturwunder bestaunend.
Über den See brüllend, trieb ich inzwischen die Boote zusammen, um mehrere von ihnen gleichzeitig zwischen meine Kamera und die Sonne zu bekommen. Annemone, meine Steuerfrau, hatte derweil alle Hände voll zu tun, um das Boot in die Position zu dirigieren, wo ich es haben wollte, wobei ich herzlich wenig Rücksicht darauf nahm, ob man ein Segelboot überhaupt in diese Richtung steuern konnte. Das eine oder andere Mal musste ich den Kopf einziehen, wenn das Manöver nur durch eine hastige Wende oder Halse zu erreichen war und der Baum überkam.
Das Licht wurde immer schummriger, und durch die Brillen zeigte sich der Diamantring-Effekt: Dort, wo am Rand der Sonnenscheibe noch am meisten Licht durchkommt, scheint es besonders stark zu strahlen wie ein Diamant auf einem Fingerring, und von links oben wanderte der Diamant nach oben in die Mitte und dann weiter nach rechts oben, bis er wieder strahlender und größer wurde und der Effekt des Fingerrings sich auflöste. Jetzt wurde es auch wieder heller, aber nicht allzu viel, da die Sonne beim Untergang ihr tägliches Abendrot entfaltete. Nur mit der Brille konnte man sehen, dass die Sonne auch bei ihrem Untergang, eine Viertelstunde nach dem Maximum, noch teilweise vom Mond bedeckt war.
Es waren sich wohl alle einig, dass dies ein ganz besonderer Abend war. Nur ungern holten wir die Boote aus dem Wasser, denn die Brise zog noch immer, und der See lag in einem karibischen Türkis.











